Die DOG1-Katastrophe – oder: Warum Sie Ihren Maschinen niemals Nummern geben sollten
24.06.2026
Kategorie: Computer
Stellen Sie sich folgendes vor: Sie sind Maschinenhersteller. So richtig stolz auf Ihr Baby. Jahre der Entwicklung, unzählige Prototypen, drei Überstunden-Winter – und dann, endlich, steht sie da: Die DOG1. Erste Maschine, erster Typ, erster Name. Logisch, oder? DOG1. Die 1 steht für „die Erste", für den Anfang, für den Durchbruch. Was soll da schon schiefgehen?
Nun, alles.
2012 kauft ein Kunde die erste DOG1. Ein treuer Kunde, der seine Maschine liebt (soweit man eine Maschine lieben kann, die aus Stahl und Hydraulik besteht und gelegentlich proof-of-concept-artig zickt). 2017 kauft er die zweite DOG1. Gleicher Typ, gleiches Modell, nur eben die zweite Maschine im Haus. Und 2021 – Sie ahnen es – die dritte DOG1. Drei Maschinen, ein Typ, ein Name. Was macht der Kunde? Er nennt sie intern DOG1, DOG2 und DOG3. Natürlich tut er das. Was sonst? „Maschine 1", „Maschine 2", „Maschine 3" – das wäre ja zu einfach gewesen, da muss eine gewisse Systematik rein, eine gewisse... Offiziosität. DOG1 ist also nicht mehr der Typ, sondern die erste Maschine. DOG2 nicht mehr eine Option im Bestellkatalog, sondern die zweite Maschine. Und DOG3? Richtig, die dritte. (Sie merken, wohin das führt.)
Jetzt schreibt der Kunde eine E-Mail. Betreff: „DOG1 – Problem mit Hydraulik". Und Sie – der Hersteller – denken sich: Ah, eine DOG1, der Typ DOG1, klar, das kennen wir. Sie schauen in die Dokumentation, suchen nach bekannten Hydraulikproblemen beim Typ DOG1, finden zwei relevante Service-Bulletins und rufen den Kunden an. „Ja, das ist ein bekanntes Problem beim Typ DOG1, können wir per Fernwartung beheben. Welche der drei Maschinen ist es denn?" Stille am anderen Ende. Dann, leicht pikiert: „Ich habe doch geschrieben, DOG1. Die erste Maschine. Nicht den Typ." Ah. Äh. Ja. Moment mal.
Er hat „DOG1" geschrieben, Sie haben „DOG1" gelesen – aber er meint die erste Maschine, Sie meinen den Typ. Sie fragen nach. „Nee, habe ich doch gesagt, die erste." Hat er nicht. Er hat „DOG1" geschrieben. Und DOG1 ist der Typ. Aber DOG1 ist auch seine erste Maschine. Und während Sie da stehen (am Telefon, in der Werkshalle, in der Mittagspause, die allmählich kalt wird) und versuchen, die semantische Kollisionsmatrix im Kopf zu sortieren, dämmert Ihnen: Das ist kein Einzelfall. Das ist ein Strukturproblem.
Aber es kommt besser. 2026 stellen Sie Ihren zweiten Maschinentyp vor. Schneller. Besser. Genauer. Die logische Fortentwicklung der DOG1. Und wie nennt man die logische Fortentwicklung der DOG1? Richtig: DOG2. Was sonst? DOG1 war die erste, DOG2 ist die zweite – Typ 2, Modell 2, die Evolution. Zumindest in Ihrer Nomenklatur. Beim Kunden hingegen heißt DOG2 bereits die zweite Maschine vom Typ DOG1. Die er 2017 gekauft hat. Und wenn er sich nun – was nahe liegt, denn er ist treuer Kunde und die neue DOG2 ist wirklich besser – eine Maschine vom Typ DOG2 kauft, dann ist das intern seine... vierte Maschine? Die er dann vermutlich DOG4 nennt? Aber DOG4 gibt es als Typ gar nicht? Oder doch, wenn 2028 der dritte Typ kommt? Der dann logischerweise DOG3 hieße? Außer der Kunde hat seine Maschinen bereits bis DOG3 durchnummeriert, womit DOG3 bereits belegt ist – von einer Maschine vom Typ DOG1, Baujahr 2021?
Mein Kopf tut weh.
Und genau da sitzt das Problem: Die Zahl im Maschinennamen ist ein semantisches Minenfeld. Für den Hersteller ist sie eine Typbezeichnung – Generation, Modellreihe, Produktlinie. Für den Kunden ist sie eine Zählnummer – erster Kauf, zweiter Kauf, dritter Kauf. Zwei völlig unterschiedliche Abstraktionsebenen, die sich denselben Namensraum teilen und sich gegenseitig die Bedeutung klauen. Das ist wie wenn Sie Ihre Kinder „Sohn" und „Tochter" nennen und dann herausfinden, dass Ihr Nachbar seine Hunde genauso genannt hat – die Verwirrung ist vorprogrammiert, und niemand ist glücklich.
Die Lösung? Geben Sie Ihren Maschinen Namen. Echte Namen. Bezeichner, die keine Zahlen enthalten. Hot Dog und Crazy Dog. Dog Prime und Dog Ultra. Mad Dog und Top Dog. Irgendwas, das eindeutig ein Typ ist und nicht mit einer internen Zählung kollidieren kann – und nebenbei beweist, dass Sie einen Sinn für Humor haben (was im Maschinenbau bekanntlich die Ausnahme bestätigt). Der Kunde wird seine Maschinen ohnehin durchnummerieren – das machen Kunden immer, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche –, und wenn Ihr Typname keine Zahl enthält, dann kann diese Nummerierung auch nicht mit dem Typnamen kollidieren. Probleme wie „DOG1 – Problem mit Hydraulik, welche meinen Sie?" gehören dann der Vergangenheit an.
Die Lektion, zusammengefasst: Zahlen in Produktnamen sind wie offene Türen in der Mittagspause – irgendwer kommt immer durch und bringt Unordnung rein. Der Kunde zählt, Sie typisieren, und dazwischen steht ein Service-Techniker, der nicht weiß, welche Maschine er eigentlich warten soll. Geben Sie Ihren Maschinen Namen. Nur Namen. Keine Zahlen. Ihr Kundenservice wird es Ihnen danken. Ihre Dokumentation wird es Ihnen danken. Und irgendwann, wenn Sie den dritten Maschinentyp vorstellen und nicht erklären müssen, warum DOG3 nicht die dritte Maschine des Kunden ist sondern der dritte Typ – da werden auch Sie sich bedanken.
Beitrag teilen
Nun, alles.
2012 kauft ein Kunde die erste DOG1. Ein treuer Kunde, der seine Maschine liebt (soweit man eine Maschine lieben kann, die aus Stahl und Hydraulik besteht und gelegentlich proof-of-concept-artig zickt). 2017 kauft er die zweite DOG1. Gleicher Typ, gleiches Modell, nur eben die zweite Maschine im Haus. Und 2021 – Sie ahnen es – die dritte DOG1. Drei Maschinen, ein Typ, ein Name. Was macht der Kunde? Er nennt sie intern DOG1, DOG2 und DOG3. Natürlich tut er das. Was sonst? „Maschine 1", „Maschine 2", „Maschine 3" – das wäre ja zu einfach gewesen, da muss eine gewisse Systematik rein, eine gewisse... Offiziosität. DOG1 ist also nicht mehr der Typ, sondern die erste Maschine. DOG2 nicht mehr eine Option im Bestellkatalog, sondern die zweite Maschine. Und DOG3? Richtig, die dritte. (Sie merken, wohin das führt.)
Jetzt schreibt der Kunde eine E-Mail. Betreff: „DOG1 – Problem mit Hydraulik". Und Sie – der Hersteller – denken sich: Ah, eine DOG1, der Typ DOG1, klar, das kennen wir. Sie schauen in die Dokumentation, suchen nach bekannten Hydraulikproblemen beim Typ DOG1, finden zwei relevante Service-Bulletins und rufen den Kunden an. „Ja, das ist ein bekanntes Problem beim Typ DOG1, können wir per Fernwartung beheben. Welche der drei Maschinen ist es denn?" Stille am anderen Ende. Dann, leicht pikiert: „Ich habe doch geschrieben, DOG1. Die erste Maschine. Nicht den Typ." Ah. Äh. Ja. Moment mal.
Er hat „DOG1" geschrieben, Sie haben „DOG1" gelesen – aber er meint die erste Maschine, Sie meinen den Typ. Sie fragen nach. „Nee, habe ich doch gesagt, die erste." Hat er nicht. Er hat „DOG1" geschrieben. Und DOG1 ist der Typ. Aber DOG1 ist auch seine erste Maschine. Und während Sie da stehen (am Telefon, in der Werkshalle, in der Mittagspause, die allmählich kalt wird) und versuchen, die semantische Kollisionsmatrix im Kopf zu sortieren, dämmert Ihnen: Das ist kein Einzelfall. Das ist ein Strukturproblem.
Aber es kommt besser. 2026 stellen Sie Ihren zweiten Maschinentyp vor. Schneller. Besser. Genauer. Die logische Fortentwicklung der DOG1. Und wie nennt man die logische Fortentwicklung der DOG1? Richtig: DOG2. Was sonst? DOG1 war die erste, DOG2 ist die zweite – Typ 2, Modell 2, die Evolution. Zumindest in Ihrer Nomenklatur. Beim Kunden hingegen heißt DOG2 bereits die zweite Maschine vom Typ DOG1. Die er 2017 gekauft hat. Und wenn er sich nun – was nahe liegt, denn er ist treuer Kunde und die neue DOG2 ist wirklich besser – eine Maschine vom Typ DOG2 kauft, dann ist das intern seine... vierte Maschine? Die er dann vermutlich DOG4 nennt? Aber DOG4 gibt es als Typ gar nicht? Oder doch, wenn 2028 der dritte Typ kommt? Der dann logischerweise DOG3 hieße? Außer der Kunde hat seine Maschinen bereits bis DOG3 durchnummeriert, womit DOG3 bereits belegt ist – von einer Maschine vom Typ DOG1, Baujahr 2021?
Mein Kopf tut weh.
Und genau da sitzt das Problem: Die Zahl im Maschinennamen ist ein semantisches Minenfeld. Für den Hersteller ist sie eine Typbezeichnung – Generation, Modellreihe, Produktlinie. Für den Kunden ist sie eine Zählnummer – erster Kauf, zweiter Kauf, dritter Kauf. Zwei völlig unterschiedliche Abstraktionsebenen, die sich denselben Namensraum teilen und sich gegenseitig die Bedeutung klauen. Das ist wie wenn Sie Ihre Kinder „Sohn" und „Tochter" nennen und dann herausfinden, dass Ihr Nachbar seine Hunde genauso genannt hat – die Verwirrung ist vorprogrammiert, und niemand ist glücklich.
Die Lösung? Geben Sie Ihren Maschinen Namen. Echte Namen. Bezeichner, die keine Zahlen enthalten. Hot Dog und Crazy Dog. Dog Prime und Dog Ultra. Mad Dog und Top Dog. Irgendwas, das eindeutig ein Typ ist und nicht mit einer internen Zählung kollidieren kann – und nebenbei beweist, dass Sie einen Sinn für Humor haben (was im Maschinenbau bekanntlich die Ausnahme bestätigt). Der Kunde wird seine Maschinen ohnehin durchnummerieren – das machen Kunden immer, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche –, und wenn Ihr Typname keine Zahl enthält, dann kann diese Nummerierung auch nicht mit dem Typnamen kollidieren. Probleme wie „DOG1 – Problem mit Hydraulik, welche meinen Sie?" gehören dann der Vergangenheit an.
Die Lektion, zusammengefasst: Zahlen in Produktnamen sind wie offene Türen in der Mittagspause – irgendwer kommt immer durch und bringt Unordnung rein. Der Kunde zählt, Sie typisieren, und dazwischen steht ein Service-Techniker, der nicht weiß, welche Maschine er eigentlich warten soll. Geben Sie Ihren Maschinen Namen. Nur Namen. Keine Zahlen. Ihr Kundenservice wird es Ihnen danken. Ihre Dokumentation wird es Ihnen danken. Und irgendwann, wenn Sie den dritten Maschinentyp vorstellen und nicht erklären müssen, warum DOG3 nicht die dritte Maschine des Kunden ist sondern der dritte Typ – da werden auch Sie sich bedanken.
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten!